Reformation der Digitalität

Reformation der Digitalität

 

Warum erscheint ein Vergleich zwischen der lutherischen Reformation und der heutigen Entwicklung der Digitalität sinnvoll? Im Folgenden sollen die Prinzipien der Kernpunkte der Reformation extrahiert werden. Im Anschluss wird abgeglichen, ob die Prinzipien in unserer heutigen Digitalität schon greifen, oder ob wir die Entwicklung der Digitalität reformieren müssen.

 

Digitalität heute

Neue Techniken ermöglichen in einfachster Weise die Selbstdarstellung und das Teilen der eigenen Geschichte mit der ganzen Welt. Es gibt gute Anreize dies zu tun, schließlich kann schon mit ein paar Tausend Followern Geld verdient werden. Auch die Hoffnung das perfekte Ich des Selbst zu bauen spielt sicherlich eine Rolle. Ein Blick in den Bereich VR, in dem täglich neue Projekte vorgestellt werden, zeigt, dass die Grenzen der technischen Machbarkeit konstant nach oben geschraubt werden, eben weil die virtuellen Welten keinen physikalischen Regeln unterliegen.
Mit der neusten Technik ist es einfach Menschen ins Staunen zu versetzen, sie haben ein starkes Bedürfnis nach Erleben.

The Information Age is over; welcome to the Experience Age – mit dieser Headline wurde im Mai 2016 ein Artikel auf der Internetseite techcrunch[1] veröffentlicht. Schaut man sich Facebook und Snapchat an, sollte klar werden, dass wir nicht mehr durch unser digitales Profil repräsentiert werden. Facebook, entstanden im Informationszeitalter, bildete meine digitale Identität durch alle Texte, Videos, Fotos und Likes, die ich jemals vergeben hatte, ab. Die Verbreitung des Smartphones und die ständige Verbindung ins Internet sorgten dafür, dass es weniger darum ging seine analogen Erfahrungen im digitalen zu speichern, sondern eher darum, sich virtuell in Echtzeit selbst auszudrücken.[2] Eine Wohnung wird eingerichtet, bevor sie bezogen wird. Auf großen sozialen Plattformen ist seitdem eine Explosion an Selbstdarstellern zu verzeichnen. Nicht zuletzt, weil Firmen eine vergleichsweise günstige Werbeplattform, aus schier unendlich vielen perfekten Individuen, vorfinden, welche sich gerne ihre Loyalität erkaufen lassen.
Watzlawick und Deutsch sagen, dass Identitäten in postmodernen Gesellschaften, aufgrund des ständigen Wandels ohne Vorbilder gebildet werden müssen.[3] Erlebnisse und Wertehaltungen sind entscheidend für die Bildung der eigenen Identität. Und diese finden wir auch in einer postmodernen Gesellschaft vor, allerdings schreitet der Wandel von Wertvorstellungen heutzutage viel schneller voran. Vorbilder existieren also auch noch in der heutigen Zeit, aber Erlebnisse sind generierbar und unsere Kinder wachsen an einem Ort auf, an dem es (noch) keine festgeschriebenen Werte gibt. Hierbei muss ein besonderes Augenmerk auf die Vermittlung der Werte durch sogenannte Influencer[4] gelegt werden.

 

Lutherische Reformation 1517
Die beschriebene Situation erinnert stark an die Zeit vor der Reformation. Die Kirche bediente sich Maler, Musiker, Architekten um ihre Stellung zum Ausdruck zu bringen. Der einfache Bürger bewegte sich staunend in riesigen Sakralbauten, überwältigt von der Farbenpracht der Gemälde und lauschte ehrfürchtig den mehrstimmigen Gesängen. Es ist nur verständlich, dass man ein Teil davon sein wollte, auch wenn man nicht verstand, worüber die Priester in Latein sprachen. Die katholische Kirche hatte zu den Kunstwerken eine passende Geschichte, derer Auslegung ihren Gelehrten oblag. Wenige der Geistlichen, die höhergestellt waren, beklagten sich über den florierenden Handel mit Ablassbriefen, der Adel freute sich Kirchentitel kaufen zu können, um den gesellschaftlichen Stand aufzubessern (und die Chance zu erhalten in den Himmel zu kommen).[5] Diese Kommerzialisierung einer Geschichte, die so viel mehr Potenzial hatte, stieß einigen Menschen auf. Und auch die Hoffnungen einer digitalen Realität lagen auf einem freien und zugänglichen Informationsfluss, einem Austausch, bevor die Kommerzialisierung einsetzte.[6]

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Am 31. Oktober 1517, übersandte Martin Luther seine 95 Thesen an den Erzbischof von Mainz.
Die Reformation war natürlich kein plötzliche Erleuchtung Luthers, sondern ein stetiger Erkenntnisgewinn, der sich in immer mehr Missmut gegenüber den Machenschaften der katholischen Kirche wandelte.

Luther nahm zahlreiche Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge aus der Vergangenheit auf und entwickelte sie weiter.[7]

Ein großes Ärgernis war für Luther das Ablasswesen, denn Glaubende wähnten sich durch den Erwerb eines Ablassbriefes in Sicherheit. Luther plädierte, dass es auf die innere Reue des Christen ankomme, damit Gott ihm seine Sünden vergibt.
Nach Luther herrschte also ein falsches Werteverständnis und es mangelte an transparenter Kommunikation.
Viele Reformatoren waren geprägt durch den im 14 Jahrhundert aufkommenden Humanismus, eine Bildungsbewegung, die sich für die optimale Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten durch die Kombination von Wissen und Tugenden aussprach. „Humanistische Bildung sollte den Menschen befähigen, seine wahre Bestimmung zu erkennen und durch Nachahmung klassischer Vorbilder ein ideales Menschentum zu verwirklichen.“[8]

Denker der Neuzeit hielten diese Ziele für nicht erreicht. Dort wo uns der Humanismus verfehlt hat, erhoffen sich viele einen Durchbruch durch den, in der Digitalität zu verzeichnenden, Transhumanismus.[9] Kritiker bemängeln das außer Acht lassen der Ethik im Transhumanismus. Im Folgenden wird aufgezeigt, dass das Streben nach der Erkenntnis über die eigene Bestimmung noch immer aktuell ist, und welche Wichtigkeit Ethik in dieser Entwicklung spielen muss.

 

Gemeinschaften der Digitalität zur Reformation

Die Digitalität wird auf verschiedene Weisen definiert, für diesen Text wurde eine schöpferische Definition in Bezug auf Forschung und Praxis gewählt. Die Definition der lutherischen Reformation ist ähnlich komplex wie die der Digitalität. Beide Prozesse unterliegen einer Vielzahl an Einflüssen und Wirklichkeit wird erst im Zeitverlauf konstruiert, deswegen ist ein direkter Vergleich mit der Digitalität nicht möglich. Allerdings kann untersucht werden, ob die Reformation Einfluss auf die Entwicklung der heutigen Digitalität hat und welchen Fortgang die Digitalität zu erwarten hat.

Für den gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahre werden viele Begriffe verwendet, keiner davon trifft den Kern dieses Wandels. Eine Verbildlichung hilft den Menschen um komplexe Sachverhalte zu begreifen. Digitalität ist ein treffendes Wort um die Verknüpfung von digitaler und analoger Realität zu beschreiben. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Realitäten ist nämlich längst hinfällig geworden.

 

In einem Urteil des Bundesgerichtshofs wurde 2013 das Internet als Lebensgrundlage des Menschen gesetzlich festgelegt.[10]

Auch wenn das Digitale nicht physisch greifbar ist, ist es ein fester Bestandteil unserer Realität.

Digitalität umfasst viele Dimensionen, unter anderen die Selbstverwirklichung und Eigenverantwortung, die Vernetzung und gleichzeitige Komplexität, Diversität und soziale Interaktionen, Partizipation und Transparenz. Alles auch Werte, die die Christen vor der Institutionalisierung pflegten.

 

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Abbildung 1 Dimensionen von Digitalität – André Schier, Köln 2016

Der Digitalitäts-Begriff nach Schier darf also nicht zu technisch betrachtet werden.

Stellen wir uns das Internet als Ort, anstelle eines Mediums vor. Wir verlagern wichtige soziale Handlungen eben dort hin. Wir bilden uns, arbeiten, kaufen ein, treffen uns mit Freunden und leben unsere Kreativität aus.

Im Internet, in dem eine Mischform aus Individuum und Kollektiv entsteht, bestehen sicherlich auch gesundheitliche Gefahren (immer erreichbar sein, sich beobachtet fühlen) aber eben durch diese Veränderung der sozialen Interaktion werden Vielfalt und Partizipation zu Werten eines von Digitalität geprägten Lebens.[11]
Das alles natürlich unter der Voraussetzung, dass u. a. Medienkompetenz eine wichtige Grundlage im Erziehungswesen einnimmt. Medienkompetenz ist eine globale Sprache, die uns einander näherbringt und vor Missbrauch schützt.

 

Ethik und Moral als Grundlage für den Vergleich zwischen Reformation und Digitalität

Um folgende Kernpunkte der Reformation zu verstehen, ist es notwendig, den Unterschied zwischen Ethik und Moral zu nennen.

Als Ethik verstehen sich die Prinzipien, die hinter den moralischen Regeln stehen.
Ethische Prinzipien besitzen eine Allgemeingültigkeit. Schutz von Leben, Schutz von Gesundheit, Recht auf Unversehrtheit des Körpers/Geist sind Beispiele für solche universellen ethischen Prinzipien. Diese müssen natürlich den unterschiedlichen Situationen, die in Religionen, Kulturen, Technologien etc. entstehen, angepasst werden. Aus ethischen Prinzipien werden also moralische Regeln, die Prinzipien werden unterschiedlichen Handlungen angepasst. Diese Regeln besitzen aber keine allgemeine Gültigkeit, sondern müssen immer dem Zeitenwandel angepasst werden. Geschieht dies nicht, bleibt nur die Tradition bestehen, eine Handlung, losgelöst von ihrem ursprünglichem Wert. Aber auch die Tradition findet ihren Platz als Gegenpol zu den eher progressiv eingestellten Menschen, Wandel braucht Zeit und wird eben nicht dadurch erreicht, immer den neusten Erkenntnissen hinterherzurennen.

Letztendlich sind wir in unserem Handeln komplex, denn unsere Rationalität wägt die Werte und ihre Konsequenzen miteinander ab. Dabei spielen Gewissen, Intuition, Instinkt und Bauchgefühl eine Rolle und jeder Mensch neigt zu verschieden starken Ausprägungen dieser Inseln der Rationalität. Es herrscht also ein gewisses Durcheinander, das geordnet werden muss, um seine eigenen Prinzipien zu erkennen, bevor überhaupt gehandelt werden kann. Und weil die Vorstellung in jeder erdenklichen Situation richtig und verantwortlich zu Handeln ein Wunschbild ist, hilft uns Kant mit dem kategorischen Imperativ, der besagt: „Handle nur nach derjenigen Maxime [Prinzipien, Anm. d. Verf.], durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“[12]
 

Vergleich zwischen Reformation und Digitalität

Wir können also die Kernpunkte der Reformation betrachten, ihr Prinzip extrahieren und in dem Zeitalter der Digitalität suchen, ob diese Prinzipien angewendet werden. Ein Vergleich erscheint sinnvoll, da in der heutigen Digitalität der Fokus weniger auf Wertevermittlung und transparenter Kommunikation liegt, sondern auf Selbstdarstellung und Vermarktung, wir also ähnliche Zustände vorfinden, wie vor der Reformation. Folgende Punkte sind bis heute der gemeinsame Nenner der Reformation.

Sola Gratia

Allein durch die Gnade Gottes wird der glaubende Mensch errettet, nicht durch seine Werke.[13]

Dieser Ausdruck beschreibt, dass jedem Menschen nur die durch Gott gegebene Offenbarung zugängig ist und diese nicht durch kirchliche Lehren beeinflusst werden darf.
Extrahieren wir hier das dahinterstehende Prinzip, müssen wir zunächst einen passenden Wert für „Gott“ finden. Der Philosoph Brian Leftow definiert einen Gott als „Die höchste Wirklichkeit, die Quelle oder der Grund alles anderen, perfekt und der Anbetung würdig.“[14]

Im heutigen Zeitalter findet sich eine interessante Geisteshaltung, die mit einer gottähnlichen Entität vergleichbar ist. Quantenphysiker David Bohm versuchte den Problemen, vor die uns die Quantenphysik stellt, mit Definitionen eines neuen Weltbildes zu begegnen. Ganzheitlichkeit, Prozesshaftigkeit und Nicht-Teilbarkeit sind die Kennzeichen dieser Auffassung.[15] Diese implizite Ordnung verglich Bohm mit einem Hologramm[16], in dem alle Einzelteile im Gesamten zu finden sind. Bohm war der Überzeugung, dass Wissenschaft und Kunst eines Tages miteinander verschmelzen würden.

Nehmen wir nun dieses Weltbild als Gleichnis für Gott, dann ist die höchste Wirklichkeit in jedem kleinen Teilchen vorhanden, ergo sind alle Mitmenschen und alles um einen herum der Grund alles anderen. Es gibt ein Bewusstsein, das wiederum von unserem individuellen Bewusstsein gespeist wird. Die gottgegebene Offenbarung wird so zu einer Wahrheit, die es für jeden Einzelnen zu finden gilt und die für jeden anders lautet.

In der heutigen Digitalität spielt Identitätsfindung eine große Rolle. Technik wird immer mehr adaptiv, individualisierbar. Unsere persönliche Offenbarung ergibt sich also aus der Selbstreflexion und diese Selbstfindung kann heutzutage gezielter gestaltet und Erfahrungsprozesse können somit beschleunigt werden.

 

Sola Fide

Allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke.[17]

Hier wird die Grundlage für eine Partizipation jeder Gesellschaftsschicht gelegt.
Jeder Mensch bringt die gleichen Voraussetzungen für den eigenen Glauben mit und kann seinen Glauben, unabhängig von Materiellem, steigern. Ein heutiger Vergleich ginge in die Richtung Netzneutralität.[18] Sofern wir einmal die Möglichkeit Zugang zum Internet zu bekommen außen vorlassen, herrscht heute eine große Gleichheit im Netz. Programmiersprachen bilden die Grundlagen, durch deren Beherrschung ich mich selbst entfalten kann. Deswegen ist es wichtig, dass kein Internet der 1. und 2. Klasse entsteht.
Luther wollte auch damit zum Ausdruck bringen, dass der Mensch allein durch seinen Glauben das ewige Leben erlangt. Das ewige Leben war schon immer etwas, nachdem die Menschen strebten. Ernest Becker schreibt in seinem Buch „The Denial Of Death“, dass der Mensch einen Weg finden muss, um mit dem Wissen um seine eigene Sterblichkeit umzugehen. Er unterscheidet hier in die religiöse Lösung, die romantische Lösung und die kreative Lösung, die natürlich die Technik mit einbezieht.[19] Der Wunsch nach Unsterblichkeit ist heutzutage immer noch aktuell, auch wenn dieser nicht immer offensichtlich ist. Viele Künstler fanden Unsterblichkeit in ihren Werken, die moderne Technik aber verspricht uns, dass wir der Unsterblichkeit näher stehen als je zuvor.

Es erscheint, dass der Mensch heutzutage nicht durch seine Selbstfindung sondern Selbsterfindung gerechtfertigt wird. An dieser Stelle ist eine Reformation vonnöten. Personen der Öffentlichkeit haben heute teilweise mehrere Millionen „Apostel“, die ihre Botschaften verbreiten. Und für einen nicht gefestigten Menschen ist Selbstakzeptanz kein innerer Prozess, sondern ein Zuspruch von außen. Diesen Zuspruch bekommt man durch das Unterstützen populärer Meinungen.

 

Sola Scriptura

Allein die Schrift (das Wort) ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die kirchliche Tradition.[20]

Der Gedanke hier hinter war, dass sich nur auf die Bibel bezogen werden soll, um den Einfluss der katholischen Kirche mit ihren verschiedenen Auslegungen zu unterbinden.
Nach Luther wird die Heilsbotschaft durch die Bibel hinreichend vermittelt und bedarf keiner kirchlichen Ergänzung. Damit stellt Luther sicher, dass die in der Bibel vermittelten Werte fortbestehen und nicht die Tradition der Kirche.

Viele Menschen suchen im Internet nach der „wirklichen“ Wahrheit. Dabei stellt sich die Frage ob eine Aussage an Bedeutung gewinnt, je mehr Rückenwind sie durch, zum Beispiel, Follower bekommt. Wahlkämpfe werden beeinflusst durch den erzeugten Rückhalt zur Meinung des Politikers – 5000 Follower auf Twitter gibt es übrigens schon ab 49$.[21] Meinungen bilden sich somit im Internet durch Quantität, qualitative Informationen haben Nachsicht gegenüber promoteter Information. Aber die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Personen im Internet kann auch zu einer Einsicht in die eigenen Werte führen.

Hierbei spielt die Qualität des Chatpartners eine untergeordnete Rolle. Zu betrachten ist hier die Artikulation der eigenen Probleme, die durch diese konzentrierte Darstellung zu einer Selbsteinsicht führen können.

Dass unser Werteverständnis eine wichtige Grundlage für unser Zusammenleben spielt, wird auch in der Digitalität an vielen Stellen deutlich.
Gucken wir uns den Bereich K.I. an, wird schnell die Notwendigkeit des Werteverständnisses deutlich. Wir müssen den Systemen die richtigen Aufgaben stellen. Zu betrachten ist das value alignment problem.[22] Kann man von jedem Entwicklern auch ein gutes Werteverständnis erwarten? Um einmal deutlich zu machen, wie wichtig die Fragestellung ist, schauen wir uns ein Beispiel an.

Möchten wir von der K.I., dass sie uns einen Kaffee holt, wäre der erste Gedanke der K.I.: Was könnte mich daran hindern meine Aufgabe auszuführen? Jemand könnte mich abschalten. Also muss ich etwas unternehmen, um diese Möglichkeit zu vermeiden. Ich werde meinen Ausschalter blockieren und mich zur Wehr setzen falls jemand versucht meine Aufgabe zu behindern.
Stuart Russel hat, um dem entgegenzuwirken drei Regeln aufgestellt, die es beim Stellen von Aufgaben zu beachten gilt.

1. The robot’s only objective is to maximize the realization of human values

  1. The robot is initially uncertain about what those values are
  2. Human behavior provides information about human values[23]

Zu erkennen ist also deutlich, dass wir als Menschen uns erst über unsere Werte bewusstwerden müssen. Was sind meine wichtigsten Werte, wonach strebe ich, nach welchen Prinzipien handle ich. Findet so ein Abgleich mit sich selbst nicht alle paar Jahre statt, beschreiten wir Wege, über deren Verlauf wir uns später beklagen. Erfahrung ändert die Rangliste unserer Prinzipien und im Experience Age bedarf es einer Möglichkeit den schnellen Wandel dieser Reihenfolge zu verarbeiten.

Es wird spannend zu sehen, welche Informationen sich K.I. aus dem Beobachten unseres Verhaltens als „Regel“ festschreiben.

 

Solus Christus

Allein die Person, das Wirken und die Lehre Jesu Christi können Grundlage für den Glauben und die Errettung des Menschen sein.[24]

Die Religion lässt sich mit einem VR-Spiel vergleichen.
Religion hat die Menschen über Tausende Jahre mit mehr Begeisterung und emotionalem Engagement beschäftigt, als die „reale Welt“. Dabei folgten die Glaubenden erfunden Regeln, die in keiner Weise von der Natur vorgeschrieben wurden.

Glaubende sind fleißig dabei genug Punkte zu sammeln, um am Ende ihres Lebens das nächste Level zu betreten.

Unter dem Gesichtspunkt der Digitalität ist davon auszugehen, dass viele Menschen in Zukunft keine Beschäftigung mehr finden werden. Das Problem wird sein, Aufgaben für Menschen zu finden, die sie besser als Algorithmen lösen können. Es wird nicht mehr die Unbeschäftigten geben, sondern die Gruppe der Unbeschäftigbaren. Die Frage, die sich dann stellt, ist, wie beschäftigen wir die Massen und VR-Spiele wären eine denkbare Option.[25]

Demnach könnte jeder Spieler/Glaubende/Mensch in seiner eigenen Realität seinen eigenen Heilsbringer haben. Hier stellt sich die Frage, wie stellen wir sicher, dass in den virtuellen Realitäten Werte vermittelt werden, die der Gemeinschaft zugutekommen, und somit der Ganzheitlichkeit der Menschheit.

Digitalität muss zum Ziel haben, jedem einzelnen Menschen sein Werteverständnis regelmäßig aufzuzeigen.

 

 Was wir mitnehmen sollten

Warum besteht eine Notwendigkeit, sich aktiv mit der Wertefrage in der Digitalität zu beschäftigen?
Seit Urzeiten lagert unser Gehirn Prozesse aus, zu dessen Ausführung es nicht in der Lage ist. In der Steinzeit war es die Entwicklung von einfachstem Werkzeug, um effektiver arbeiten zu können. In der heutigen Zeit lagern wir Denkprozesse an mächtigere Prozessoren aus, um Antworten auf Fragen zu erhalten, die uns sonst verschlossen blieben.
Die wichtigste Komponente dabei ist aber das Feedback.
Stellen wir uns vor, wir wandeln durch eine Stadt, die uns durch ihre neuartige Architektur begeistert, dann wird unser Geist angeregt, neue Denkmuster entstehen, die uns neue Zusammenhänge aufweisen. Daraus resultieren wieder neue Ideen, die Bezug auf ganz andere Fragestellungen in unserem Leben nehmen können.[26]
Das stellt die Notwendigkeit der Innovation für den Fortschritt der Menschheit dar.
Und eben weil unser Handeln auf Andere wirkt und den weiteren Entwicklungsverlauf beeinflusst, ist es notwendig moralische Werte in der Digitalität zu vermitteln.

In Zukunft wird der gemeinsame Nenner für das eigene Wertesystem kleiner. Nicht mehr die Religion oder Nation sind notwendig, für eine Selbstfindung, die Lösung wird individuellerer Natur sein. Die erwähnten K.I. können durch ihre beobachtende Position uns zugeschnittene Erlebnisse generieren, um unsere Entwicklung gezielt zu fördern. Die unter dem Punkt Sola Gratia genannte adaptive Entfaltung bietet auch hilfreiche Therapieansätze. Unter Zuhilfenahme von VR können Therapien für Psychopathen entwickelt werden, um Empathie[27] zu erlernen. Somit entstünde eine Möglichkeit Psychopathen in unsere Gesellschaft zu integrieren und einen kleinen Beitrag dazu zu leisten mehr Situationen zu erzeugen aus denen jeder Partei als Gewinner hervorgeht.

Bei allem Wandel sind, damals wie heute, unsere Prinzipien beständig. Ein geschultes Werteverständnis ist, bei allen Vorteilen für ein gesellschaftliches Zusammenleben, ein Grundpfeiler für den Einblick in sich selbst und somit die Voraussetzung für ein erfülltes Leben.
Auch Luther erkannte den Wert die Glaubenden aktiv mit einzubeziehen. Durch Interaktion im Gottesdienst und ein Verständnis für den Text, wurde jeder Glaubende befähigt seinen eigenen Verstand zu benutzen und sich Lebensfragen, mit den in der Bibel vermittelten Werten, selbst zu beantworten. So konnten die Prinzipien, ohne Zwang, in unterschiedlichem Handeln in der Welt Anwendung finden.

Menschen werden in der Digitalität immer mehr dazu befähigt selbst gestalten zu können. Eine positive Entwicklung die von einem guten Werteverständnis geprägt sein sollte. Durch die Individualisierbarkeit von Erfahrungen kann nun endlich ein Verständnis, das nicht von einer Ideologie geprägt ist, entwickelt werden. Unsere Aufgabe ist es, die Wertevermittlung bewusst mitzuprägen. In rechtlichen Bereichen ist das sicherlich die Aufgabe einer Denkfabrik, aber unter Zuhilfenahme des Zeitwandels ist unsere Pflicht, bewusst nach unseren Prinzipien zu handeln und nicht vor einer Anpassung unserer moralischen Regeln zurück zu schrecken. Erkennen wir den Wert unserer Prinzipien, sollten sie auch nicht mehr durch materialistisches zu beeinflussen sein.

Eine wünschenswerte Entwicklung, die durch weitere wissenschaftliche Belege zur Quantenmechanik verstärkt werden kann, wäre, dass jeder Mensch verstehen kann, dass die eigene Existenz fundamental ist.

Visuelle Techniken helfen uns sicherlich dabei zu vermitteln, welchen Einfluss die eigene Existenz auf alles Leben hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literaturverzeichnis

19 Becker, Ernest: The Denial Of Death, S. 171 ff., 1973, New York: Simon & Schuster.

 

10 Bundesgerichtshof: Bundesgerichtshof erkennt Schadensersatz für den Ausfall eines Internetanschlusses zu, 2013, Karlsruhe

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&pm_nummer=0014/13 (Letzter Zugriff 14.05.2017

 

27 Department of Neuroscience, University of Groningen, University Medical Centre Groningen, Reduced spontaneous but relatively normal deliberate vicarious representations in psychopathy, 2013, Brain

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23884812 (Letzter Zugriff 18.05.2017)

 

3Deutsch/Watzlawick 2010: 370.

 

21 Devumi: Buy Twitter Followers Now https://devumi.com/twitter-followers/ (Letzter Zugriff 18.05.2017)

 

25 Harari, Yuval Noah, The Meaning Of Life In A World Without Work, 2017, The Guardian https://www.theguardian.com/technology/2017/may/08/virtual-reality-religion-robots-sapiens-book?CMP=share_btn_fb

 

12Kant, Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900 ff, AA IV, 421 / GMS, BA 52.

 

6 Krempl, Stefan, Die Kommerzialisierung des Internet, 1997, Heise

https://www.heise.de/tp/features/Die-Kommerzialisierung-des-Internet-3411112.html (letzter Zugriff 14.05.2017

 

14 Leftow, Brian: God, Concepts of. In: Routledge Encyclopedia of Philosophy. Routledge, London 1998

 

18 Pollmann, Lukas: Grundlagen und Konzepte der Netzneutralität. Ein Überblick, S. 3 f., 2015, Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

 

23 Russel, Stuart: How AI might make us better people, 2017, Ted2017 https://www.ted.com/talks/stuart_russell_how_ai_might_make_us_better_people#t-460682 (Letzter Zugriff 18.05.2017)

 

11 Schier, André: Dimensionen von Digitalität, 2016, Köln

http://netzundwerk-id.de/wissenschafts-portfolio/dimensionen-von-digitalitaet-2/ (Letzter Zugriff 14.05.2017)

 

1 Wadhera, Mike: The Information Age Is Over Welcome To The Experience Age, 2016, techcrunch

https://techcrunch.com/2016/05/09/the-information-age-is-over-welcome-to-the-experience-age/      (letzter Zugriff 14.05.2017)

 

16 Wenner, Markus: Moralbegründung vom Standpunkt der Gesellschaft: Morality, Normativity and Society von David Copp. Kritische Rekonstruktion, metaethische Analyse und Diskussion, S. 46 ff., 2004, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

 

24 Wikipedia-Autoren, Solus Christus, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Solus_Christus (Letzter Zugriff 13.05.2017)

 

20 Wikipedia-Autoren, Sola Scriptura, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Sola_scriptura

 

 

17 Wikipedia-Autoren, Sola Fide, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sola_fide

 

 

13 Wikipedia-Autoren, Sola Gratia, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sola_gratia

 

15 Wikipedia-Autoren, David Bohm, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.  https://de.wikipedia.org/wiki/David_Bohm

 

7 Wikipedia-Autoren, Reformation Reformbewegungen, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Reformation Reformbewegungen (letzter Zugriff 13.05.2017)

 

8 Wikipedia-Autoren, Humanismus, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus (Letzter Zugriff 13.05.2017)

 

9 Wikipedia-Autoren, Transhumanismus, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanismus (Letzter Zugriff 13.05.2017)

 

4 Wikipedia-Autoren, Influencer, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Influencer (letzter Zugriff 23.05.2017)

 

5 Wikipedia-Autoren, Ablassbrief, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ablassbrief
Wikipedia-Autoren, Simonie, Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Simonie (letzter Zugriff 13.05.2017

 

26 Willis, Anne-Marie Ontological Designing, 2006, Design Philosophy Papers http://www.academia.edu/888457/Ontological_designing (Letzter Zugriff 18.05.2017)

 

22 Yudkowsky, Eliezer: The AI Alignment Problem: Why It’s Hard, and Where to Startl 2016, Talk at Stanford University https://intelligence.org/stanford-talk/ (Letzter Zugriff 18.05.2017)

 

 

 

 

 

 

 

[1] https://techcrunch.com/2016/05/09/the-information-age-is-over-welcome-to-the-experience-age/      (letzter Zugriff 14.05.2017)

[2] Vgl ebd.

[3] Deutsch/Watzlawick 2010: 370.

[4] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Influencer (letzter Zugriff 23.05.2017)

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Ablassbrief & https://de.wikipedia.org/wiki/Simonie (letzter Zugriff 13.05.2017)

[6] https://www.heise.de/tp/features/Die-Kommerzialisierung-des-Internet-3411112.html (letzter Zugriff 14.05.2017

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Reformation Reformbewegungen (letzter Zugriff 13.05.2017)

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus (Letzter Zugriff 13.05.2017)

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanismus (Letzter Zugriff 13.05.2017)

[10] Vgl. http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&pm_nummer=0014/13 (Letzter Zugriff 14.05.2017)

[11] Vgl. http://netzundwerk-id.de/wissenschafts-portfolio/dimensionen-von-digitalitaet-2/ (Letzter Zugriff 14.05.2017)

 

[12]  Kant, Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900ff, AA IV, 421 / GMS, BA 52.

[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Sola_gratia

[14] Brian Leftow: God, Concepts of. In: Routledge Encyclopedia of Philosophy. Routledge, London 1998

[15] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/David_Bohm

[16] Vgl. Wenner, Markus: Moralbegründung vom Standpunkt der Gesellschaft: Morality, Normativity and Society von David Copp. Kritische Rekonstruktion, metaethische Analyse und Diskussion, S. 46 ff.

[17] https://de.wikipedia.org/wiki/Sola_fide

[18] Pollmann, Lukas: Grundlagen und Konzepte der Netzneutralität. Ein Überblick, S. 3 f.

[19] Vgl. Becker, Ernest: The Denial Of Death, S. 171 ff.

[20] https://de.wikipedia.org/wiki/Sola_scriptura

[21] Vgl. https://devumi.com/twitter-followers/ (Letzter Zugriff 18.05.2017)

[22] Vgl. https://intelligence.org/stanford-talk/ (Letzter Zugriff 18.05.2017)

[23] Vgl. https://www.ted.com/talks/stuart_russell_how_ai_might_make_us_better_people#t-460682 (Letzter Zugriff 18.05.2017)

[24] https://de.wikipedia.org/wiki/Solus_Christus (Letzter Zugriff 13.05.2017)

[25] Vgl. https://www.theguardian.com/technology/2017/may/08/virtual-reality-religion-robots-sapiens-book?CMP=share_btn_fb

[26] Vgl. http://www.academia.edu/888457/Ontological_designing (Letzter Zugriff 18.05.2017)

[27] Vgl. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23884812 (Letzter Zugriff 18.05.2017)

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